Ratgeber für Azubis
bAV als Azubi: Lohnt sich Entgeltumwandlung schon in der Ausbildung?
Kurz gesagt: Auch als Azubi hast du einen gesetzlichen Anspruch darauf, einen Teil deiner Ausbildungsvergütung in eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) umzuwandeln, 2026 ab rund 25 Euro im Monat. Das Geld geht vom Brutto ab, du sparst also Sozialabgaben, und dein Arbeitgeber muss in den meisten Fällen 15 Prozent dazugeben. Richtig gut wird es, wenn dein Betrieb noch mehr drauflegt. Bevor du unterschreibst, solltest du aber wissen, dass das Geld bis zur Rente fest angelegt ist.
Rente ist mit 17 oder 20 so weit weg wie der Mond. Trotzdem landet in vielen Ausbildungsbetrieben irgendwann ein Zettel zur „Entgeltumwandlung“ auf dem Tisch. Hier erfährst du, was dahintersteckt und wann sich das für dich lohnt.
Stand: Oktober 2026 · Von bom Capital, Finanz- und Versicherungsberatung für junge Leute aus Hannover
Was ist eine bAV mit Entgeltumwandlung?
Bei der betrieblichen Altersvorsorge spart dein Arbeitgeber für dich in einen Vertrag, meist eine Direktversicherung, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds. Bei der Entgeltumwandlung kommt das Geld aus deinem eigenen Bruttolohn: Ein Teil deiner Vergütung wird nicht ausgezahlt, sondern fließt direkt in den Vertrag. Später bekommst du daraus eine Betriebsrente oder eine Kapitalauszahlung.
Habe ich als Azubi überhaupt Anspruch?
Ja. Das Betriebsrentengesetz zählt Auszubildende ausdrücklich zu den Arbeitnehmern. Damit kannst du von deinem Arbeitgeber verlangen, dass er einen Teil deiner Vergütung in eine bAV umwandelt. Für 2026 gilt:
- Mindestbetrag: 296,63 Euro im Jahr, also rund 25 Euro im Monat.
- Frei von Sozialabgaben: bis 338 Euro im Monat (4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung).
- Steuerfrei: bis 676 Euro im Monat (8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze).
Den Anbieter und den Weg (zum Beispiel Direktversicherung) legt in der Regel dein Arbeitgeber fest. Gibt es in deinem Betrieb schon einen Vertrag, läuft deine bAV meist darüber.
Was zahlt der Arbeitgeber dazu?
Wandelst du Lohn in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds um, muss dein Arbeitgeber 15 Prozent deines Beitrags als Zuschuss dazugeben, soweit er dadurch selbst Sozialabgaben spart. Ein Tarifvertrag kann davon abweichen, oft nach oben.
Viele Betriebe geben freiwillig mehr, manche zahlen Azubis sogar einen festen Betrag, ohne dass du selbst etwas umwandeln musst. Für solche arbeitgeberfinanzierten Beiträge bekommt dein Betrieb bei kleinen Einkommen bis 2.575 Euro brutto im Monat eine staatliche Förderung: 30 Prozent auf Beiträge von 240 bis 960 Euro im Jahr. Ab 2027 steigen die Grenzen. Als Azubi liegst du fast immer darunter. Frag deshalb in der Personalabteilung ruhig nach, ob dein Betrieb so etwas anbietet.
Was kostet dich ein Beitrag wirklich?
Weil die Umwandlung vom Brutto abgeht, kostet dich ein Euro bAV weniger als ein Euro netto. In der Ausbildung zahlst du oft keine oder kaum Lohnsteuer, dann sparst du vor allem Sozialabgaben, 2026 sind das rund 21 Prozent.
Vereinfachtes Beispiel: Deine Vergütung liegt bei 1.000 Euro brutto, du wandelst 50 Euro im Monat um.
- Du sparst rund 10,50 Euro Sozialabgaben. Netto fehlen dir also etwa 39,50 Euro.
- Dein Arbeitgeber legt 15 Prozent dazu, das sind 7,50 Euro.
- In deinen Vertrag fließen 57,50 Euro im Monat.
Die genauen Zahlen hängen von deiner Krankenkasse, deinem Alter und deinem Vertrag ab. Zum Vergleich: Die Mindestausbildungsvergütung liegt 2026 im ersten Jahr bei 724 Euro.
Worauf du achten solltest
- Das Geld ist gebunden. Du kommst in der Regel erst mit Rentenbeginn an dein Guthaben. Für Führerschein, Umzug oder Notfälle brauchst du ein eigenes Polster.
- Weniger Sozialabgaben heißt auch etwas weniger gesetzliche Rente. Der Effekt ist bei kleinen Beträgen gering, gehört aber zur ehrlichen Rechnung.
- In der Rente fallen Abgaben an. Die Betriebsrente wird versteuert, und auf sie werden Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fällig. Für die Krankenversicherung gibt es einen Freibetrag, 2026 sind das 197,75 Euro im Monat.
- Kosten und Anlage vergleichen. Wie viel am Ende herauskommt, hängt vom Vertrag, seinen Kosten und der Entwicklung der Anlage ab. Eine feste Rendite kann dir niemand versprechen.
- Jobwechsel nach der Ausbildung? Deine Ansprüche aus Entgeltumwandlung gehören dir sofort. Wechselst du den Arbeitgeber, kannst du den Vertrag meist mitnehmen, privat weiterführen oder ruhen lassen.
Lohnt sich das für dich?
Eine bAV in der Ausbildung lohnt sich vor allem, wenn dein Arbeitgeber deutlich mehr als die Pflicht dazugibt oder einen eigenen Beitrag zahlt. Dann bekommst du für wenig eigenes Geld einen guten Start. Zahlt er nur die 15 Prozent, kommt es auf deine Lage an: Hast du schon einen Notgroschen, ist deine Arbeitskraft abgesichert, und nutzt du die vermögenswirksamen Leistungen deines Betriebs? Oft lassen sich VL übrigens direkt in die bAV einzahlen.
Häufige Fragen
Kann ich als Azubi eine bAV verlangen?
Muss mein Arbeitgeber etwas dazuzahlen?
Was passiert mit meiner bAV, wenn ich nach der Ausbildung wechsle?
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